Eine Methode zur Entwicklung von Referenz-Unternehmensarchitekturen

Felix Timm

Mit Zielen wie erfolgreicher Organisationsentwicklung und der Harmonisierung von Geschäfts- und IT Landschaft versuchen Unternehmensarchitekturen ein ganzheitliches Bild einer Organisation zu erfassen. Ein Unternehmensarchitektur-Modell beschreibt eine Organisation dabei aus verschiedenen Perspektiven wie Organisationsstrategie, -struktur, Geschäftsprozesse, Datenstrukturen, Informationssystemen und IT-Infrastruktur, um diese dann miteinander in Beziehungen zu setzen. Das Forschungsfeld des Unternehmensarchitektur-Management (engl. Enterprise Architecture Management – EAM) bietet dabei verschiedene Rahmenwerke, Methoden, Notationssprachen sowie Werkzeuge, um solche Architekturmodelle zu entwickeln, zu realisieren und zu analysieren. Obwohl Organisationen eine individuelle Architektur besitzen, können sie anhand verschiedener Merkmale gruppiert werden (z.B. anhand der Branche). Somit lassen sich Gemeinsamkeiten innerhalb solcher Gruppen identifizieren. Zusätzlich können Veränderungen des Geschäftsumfelds (wie z.B. regulatorische Veränderungen, technologische Entwicklungen) ähnliche Konsequenzen für verschiedene Organisationen bedeuten. Mit der Hilfe von Referenzmodellen ist es möglich, gemeinsame Strukturen abzubilden und allgemeingültige Lösungsansätze in Form eines Unternehmensarchitektur-Modells festzuhalten. Die Anwendung solcher Referenzmodelle auf spezielle Organisationskontexte unterstützt dabei eine ganzheitliche, effektive und effiziente Unternehmensentwicklung. Zwar existieren verschiedene Referenzmodelle, die sich auch teilweise auf Strukturen von Unternehmensarchitekturen beziehen, jedoch fehlt es bislang an einer konkreten Methodik Referenz-Unternehmensarchitekturen zu entwickeln.

Ziel dieses Promotionsprojektes ist es, eine Methode zur Entwicklung von Referenz-Unternehmensarchitekturen zu entwickeln. Dabei liegt der Fokus auf Referenzmodelle für Organisationsgruppen, die in einem dynamischen Geschäftsumfeld agieren. Zur Entwicklung der Methode wird das Forschungsdesign Design Science Research genutzt, woraus die Methode als Artefakt entsteht. Die Methode wird durch ihre Anwendung in verschiedenen Fallstudien evaluiert. Dementsprechend entstehen im Laufe des Projektes auch Referenz-Unternehmensarchitekturen, die selbst wiederum als Artefakt gesehen werden können.

Zur Realisierung des Vorhabens, werden verschiedene Ansätze aus dem Bereich der Referenzmodellierungsforschung genutzt. Relevante Fragen dabei sind u.a.: Wann kann eine Referenz-Unternehmensarchitektur als solche bezeichnet werden? Wie lassen sich die relevanten Daten erheben? Wie können bestehende Ansätze auf Strukturen von Unternehmensarchitekturen angewandt werden? Wie lassen sich induktive und deduktive Referenzmodellierung in der Methode integrieren? Des Weiteren werden Fragen aus dem EAM-Gebiet adressiert: Welche Struktur sollte eine Referenz-Unternehmensarchitektur aufweisen? Wie lassen sich EA-Modelle miteinander vergleichen? Welche Ansätze der EAM Analyse können für das Vorhaben genutzt werden?

Context-sensitive Assistance Systems for Smart Self-Management

Fabienne Lambusch

Die digitale Durchdringung des Alltags bietet große Potenziale und führt gleichzeitig zu neuen Herausforderungen. In der gegenwärtigen Arbeitswelt können insbesondere eine Arbeitsverdichtung, sowie Entgrenzung von Arbeits- und Privatleben beobachtet werden. Viele Arbeitnehmer stehen oft unter Zeitdruck. Häufige Unterbrechungen und Multitasking erschweren zusätzlich die Planung und Fertigstellung von Aufgaben, sowohl beruflich als auch privat. Der entstehende Stress und fehlende Erholung sind in allen Lebensbereichen kritische Faktoren. Somit kommt dem Selbstmanagement eine steigende Bedeutung zu, nicht nur im Hinblick auf die Produktivität, sondern insbesondere auch in Bezug auf die Erhaltung der Motivation, des Wohlbefindens und der Gesundheit des Einzelnen. Einen individuell passenden, reibungslosen Workflow zu entwickeln erfordert oftmals zusätzlichen Aufwand, kann aber insbesondere langfristig von großem Vorteil sein. Bisherige Werkzeuge, wie beispielsweise digitale Terminkalender oder To-do Listen, bieten nur eine rudimentäre Unterstützung, da sie meist statisch sind und eine permanente manuelle Anpassung benötigen. Zudem werden Entwicklungen im Bereich der Sensoren und Smart Devices bisher kaum berücksichtigt. Mit ihnen wird es möglich, Daten über den Nutzer und seine Umgebung zu erfassen. Die so gewonnenen Informationen, z.B. über den Ort des Nutzers, seine Bewegung oder biologische Werte, sowie Schlussfolgerungen, beispielsweise über die aktuelle Situation, können in Unterstützungsansätze für das Selbstmanagement einfließen. 
Ziel der Forschungsarbeiten ist es, ein Konzept für ein innovatives Assistenzsystem zum kontextsensitiven Selbst-Management zu entwickeln und zu erproben. Hierbei soll insbesondere das Potenzial von Sensoren und Smart Devices zur Erfassung benötigter Daten und zur Umsetzung einer ubiquitär nutzbaren Vorschlagsfunktion untersucht werden. Die Ergebnisse sollen dazu verwendet werden, ein personalisiertes, situationsbezogenes und stresssensitives Assistenzsystem zum Selbst-Management zu entwickeln.

Enterprise Architecture Evolution Model

Matthias Wißotzki

Zentrales Ziel der Forschungsarbeiten ist die Identifkation von Enterprise Architecture Management (EAM) Fähigkeiten und deren Überführung in ein flexibles merkmalsbezogenes Messmodell, welches sowohl die Methodik zur Bestimmung als auch Konzepte zur Weiterentwicklung der entsprechenden EAM-Fähigkeiten des Unternehmens enthält. Für viele Unternehmen ist das Wissen über ihre Unternehmensarchitektur entscheidend für ihren Unternehmenserfolg. Dieser Erfolgsfaktor steckt in den Zusammenhängen von Produkten, Dienstleistungen und Services, deren produzierenden und ausliefernden Geschäftsprozessen, in den internen/ externen Strukturen sowohl in technischer als auch organisatorischer Hinsicht und natürlich wesentlich in den Mitarbeitern. Die Methodiken der Unternehmensmodellierung und des EAM tragen dazu bei, Wissen in Unternehmen zu identifizieren, indem Strukturen, Abläufe und Zusammenhänge verdeutlicht, erfasst und zur weiteren Verwendung transparent dokumentiert werden sowie eine darauf aufbauende Planung & Weiterentwicklung zu etablieren. Dennoch ist es sowohl für große als auch für kleine und mittlere Unternehmen eine Herausforderung, die richtigen Informationen und das richtige Wissen im Rahmen des EAM, welches für die Bewertung und Weiterentwicklung von Unternehmensarchitekturen benötigt wird, effizient abzubilden. Um diesen Prozess zu unterstützten, soll ein Fähigkeitenmodell entwickelt und geprüft werden, welche eine einfache Leistungsbestimmung von EAM-Fähigkeiten ermöglicht & Methodiken zu deren Weiterentwicklung vorschlägt. Für die Entwicklung des sogenannten Enterprise Architecture Evolution Models werden bereits bestehende EAM Ansätze, Kennzahlsysteme & Methodiken auf Einsatzmöglichkeiten, Handhabung und Entwicklung über verschiedene Lebenszyklusphasen geprüft als auch neue Studien & Anwendungsfälle mit Partnern aus der Industrie zu diesem Thema entwickelt.

Informationslogistik

Dirk Stamer

Informationslogistik beschäftigt sich mit der Aufgabe, Informationen zeitnah, am notwendigen Ort und in der benötigten Qualität zur Verfügung zu stellen. In der Flut von Informationen, die in einem Unternehmen vorhanden sind, gewinnt diese Aufgabe zunehmend an Bedeutung. Dazu werden Informationsbedarfsmuster genutzt, die bislang nur für wenige ausgewählte Rollen, z.B. im Industriebereich „Automotive“ vorliegen. Es wird untersucht, wie diese Bedarfsmuster für einzelne Rollen auf Muster für komplette Arbeitsgruppen ausgedehnt werden können. Es wird ebenfalls betrachtet, ob Muster für identische Rollen von der Industrie in den Dienstleistungssektor übertragen werden können. Es wird ein Rahmenwerk für die bedarfsgerechte Informationsversorgung in Unternehmen daraus entwickelt.

Nutzenorientierte Anwendung Wissensmanagementsystemen für KMU

Ulrike Borchardt

Wissensmanagementsysteme (WMS) und ihre Anwendung sind ein in der Praxis seit Jahren anerkannter Ansatz zur Wissensbewahrung, -erneuerung und systematischen Erfassung von Wissen in Unternehmen. Die praktische Umsetzung des Wissensmanagement und die Nutzung von WMS für KMU sind dennoch noch immer lückenhaft erforscht, denn die beschränkten Ressourcen, die zur Nutzung zur Verfügung stehen stellen besondere Anforderung an die Umsetzung dar. Sie sind auch der Grund für eine starke Nutzenorientierung bei der Auswahl von WMS für KMU, die konkrete Ausgestaltung des Nutzens bleibt die Forschung aber noch schuldig.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens soll dieses Problem adressiert werden und basierend auf bestehenden Erfolgsmodellen(IS Sucess, KMS Success) und idealtypischen Architekturen soll ein Rahmenwerk für die nutzenorientierte Auswahl entsprechender Lösungen aufgebaut werden. Gerade die Nutzenorientierung ist auf Grund der immateriellen Eigenschaften von Wissen, sowie der fehlenden direkten Zurechenbarkeit von Wissensmanagementaktivitäten ein Ansatz, der vor allem auf der subjektiven Wahrnehmung aufbaut.

In das Themengebiet fällt ebenfalls die Ermittlung des Wissensbedarfes in KMU, welcher einer entsprechenden problemorientierten Empfehlung im Rahmenwerk zu Grunde liegen sollte. Der Forschungsansatz basiert auf der Operationalisierung bestehender Erfolgsmodelle und deren Überführung mittels Fallstudien in konkrete Handlungsempfehlungen für KMU.