28.04.2017 09:57 Alter: 148 Tage
Kategorie: WIN-Startseite

Schindler AG und Uni Rostock präsentieren auf der Hanover Messe


Frage: Was hat ein Autobauer aus dem Süden (BMW), eine Universität aus dem Norden (Uni Rostock) und ein internationaler Konzern für Aufzüge und Fahrtreppen (Schindler) gemeinsam?

Antwort: Die Doorshow!

 

Mehr Interaktion und Kommunikation mit dem Aufzug. Dort den aktuellen Wetterbericht lesen, News zu Veranstaltungen, Dienstleistungen und Serviceangeboten in einer Stadt erhalten.

An der Aufzugstür der Zukunft werden künftig Bilder, Videos, aber auch Nachrichten mit individuellen und aktuellen Inhalten zu lesen sein, die dort speziell platziert werden können.

 

Auf der weltgrößten Industriemesse, die am Montag (24.4.) in Hannover beginnt, stellen der 1874 in der Schweiz gegründete und weltweit agierende Schindler Konzern seine neue Digitale Plattform Ahead vor.

Mit Schindler Ahead hat Schindler eine Digitale Plattform geschaffen, über die Kunden, Fahrgäste, Anlagen und Servicemitarbeiter vernetzt werden.

Unter dem Slogan: „ … raus aus dem Schacht denken…“ werden somit ganz neue Produkte entwickelt. Eines dieser Produkte ist die Doorshow. Dabei werden die Aufzugstüren als Informations-und Werbeflächen nutzbar gemacht. Um die Aufmerksamkeit der Fahrgäste weiter zu erhöhen und dem Leitgedanken, „schöner Warten“, weiteren Anreize zu geben, suchte Schindler nach neuen Funktionalitäten.

Hier kam die Uni Rostock ins Spiel. Im Auftrag von Schindler entwickelte das Forscherteam um Dr. Matthias Wißotzki vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Uni Rostock unter Leitung von Professor Kurt Sandkuhl eine neue Interaktions-Lösung, die es bislang in dieser Form weltweit noch nicht gibt.

Brandneue Informationen vor Aufzügen können künftig interaktiv gesteuert und standortspezifisch geliefert werden.

 

Der Schweizer Konzern mit seiner deutschen Niederlassung in Berlin will seine Position als führendes digitales Industrieunternehmen für Aufzüge und Fahrtreppen mit intelligenten, digitalen Lösungen ausbauen. Weil der Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Uni Rostock unter Leitung von Professor Kurt Sandkuhl bundesweit einen guten Ruf hat und auf digitale Geschäftsmodelle und deren Umsetzung spezialisiert ist, kam es Anfang Januar 2017 in Berlin zu einem ersten Gedankenaustausch mit der Schindler AG & Co. KG.

 

Und nun, gute drei Monate später, ist der Prototyp einer Doorshow mit interaktiver Bedienung fertig für die Hannover Messe.

Dr. Matthias Wißotzki hatte bereits im Januar zu dem Termin mit den Industriepartnern ein paar Ideen mitgebracht, wie man die Doorshow noch attraktiver machen kann. Von einem Vorschlag waren die Schindler-Manager so angetan, dass sie ihn bis zur Hannover Messe Wirklichkeit werden lassen wollten.

Visionen haben, Ideen ausbrüten, Innovationen meistern, das ist genau das Ding von Matthias Wißotzki. Der 35-Jährige ist seit seinem 20.Lebensjahr unternehmerisch im E-Business und E-Commerce tätig. Bereits während seines Studiums an der Uni Rostock ist in dem leidenschaftlichen Golf-Spieler auch die Leidenschaft für das wissenschaftliche Arbeiten entfacht. Er hat namhafte Preise gewonnen, an acht Büchern und fünf Buchkapiteln mitgewirkt. „Gute Ideen haben und die bis zur Reife entwickeln, das ist das Schöne an der Wirtschaftsinformatik“, sagt Wißotzki. Aber er ist auch ein Macher und ein Organisationstalent. Gemeinsam mit Professor Kurt Sandkuhl sowie einem Team aus ehemaligen und jetzigen Studenten sowie einem international tätigen Designer wurde in geheimer Mission die letzten Wochen rund um die Uhr an dem Projekt gewirkt.

 

Schritt Nummer 1: Um die Idee anfassbar zu machen, baute Wißotzki im Keller aus Holz eine originalgetreue Aufzugstür. So wollte er das Nutzererlebnis mit Bild und Ton zunächst  kritisch nachvollziehen. Sein Herangehen begründet der Familienvater so: „Die besondere Herausforderung bei der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen, die mit physischen Komponenten, wie in diesem Fall Aufzügen, in Beziehung stehen, besteht darin, dass sie mit der Realität klar kommen müssen“.

 

Schritt Nummer 2: Die Doorshow interaktiv machen. Dazu wurden verschiedene Sensoren getestet und integriert, die die Steuerung über Gesten und Bewegungen erlauben. Darauf abgestimmt, entwickelte ein internationaler Designer für die interaktive Aufzugstür eine neue Benutzeroberfläche. Wie die funktioniert, sich optisch darstellt und anfühlt, testeten die Rostocker Forscher und hauchten der technisch ausgetüftelten Kreation Leben ein.

 

Schritt Nummer 3 ist eine weitere Weltneuheit, die Integration einer Smartwatch, die eine weitere Interaktion mit dem Aufzug ermöglicht. Somit stellt Matthias Wißotzki in Hannover auch die erste Uhr vor, die Ultraschall empfangen und verarbeiten kann. Diese Smartwatch wurde in Zusammenarbeit und mit Technologie des Rostocker Start-Up-Unternehmen DEJ-Technologie GmbH, eine Ausgründung aus der Uni Rostock, entwickelt. Mit der Smartwatch kann der Ort einer Person in einem Haus bestimmt und die dargestellten Bilder, Nachrichten und Videos können auf die jeweilige Person angepasst werden. Das ist mit gängigen Technologien wie beispielsweise mit GPS nicht immer möglich.

Dazu Professor Kurt Sandkuhl: „Dieses Beispiel dokumentiert einen idealen Anwendungsfall für die Entwicklung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle, die Bestandteil der Forschung und Lehre in Rostock sind“.

 

Schindler-Projektleiter Jan-Karsten Thoebel zeigte sich begeistert von der Arbeit der Rostocker Wirtschaftsinformatiker. Die Entwicklung dokumentiere die Richtung, die das Unternehmen im digitalen Zeitalter einschlagen wolle. Täglich bewegt Schindler mit seinen Mobilitätslösungen über eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt. Hinter diesem Erfolg stehen mehr als 58 000 Mitarbeitende in über 100 Ländern.

 

Nun musste noch ein Werbepartner gefunden werden, der bereit war seine Produkte auf der weltweit ersten interaktiv bespielten Aufzugstür zu präsentieren. Ob es Jan-Karsten Thoebels Liebe zu sportlichen Autos oder andere Beweggründe waren, ist unbekannt, aber BMW war einverstanden seine Modell auf der Hannover Messe interaktiv mittels Doorshow zu bewegen.

 

 

 

Solch große Kooperationen mit der Industrie würden zeigen, so Prof. Sandkuhl, dass die Uni Rostock keinesfalls im Schatten großer Universitäten stehe. Rostocks Uni-Rektor Prof. Schareck fügt an: „Diese Entwicklung ist ein Zeichen für die Innovationskraft, die wie die raue Luft übers Land fegt“.